Moderne Abwasserinstandhaltung setzt zunehmend auf die grabenlose Kanalsanierung, da beschädigte Leitungen auf diese Weise repariert werden können, ohne die Erdoberfläche aufzureißen. Die Methode spart erheblich Zeit und Kosten und sorgt gleichzeitig dafür, dass Umwelt und
Anwohner deutlich weniger belastet werden. Verschiedene Techniken stehen zur Verfügung, um Abwasserkanäle effizient zu sanieren, ohne dass große Aushubarbeiten notwendig sind.
Vor Beginn der Maßnahmen erfolgt eine gründliche Kanalreinigung, damit die anschließende Sanierung optimal durchgeführt werden kann. Im Folgenden werden die gängigsten Arten der grabenlosen Rohrsanierung vorgestellt.
Schlauchlining (CIPP - Cure-In-Place-Pipe)
Das Schlauchlining, auch bekannt als CIPP (Cure-In-Place-Pipe), ist eine der am häufigsten angewandten grabenlosen Sanierungstechniken. Hierbei kommt ein sogenannter Schlauchliner zum Einsatz – ein flexibler, mit Harz getränkter Schlauch, der in den beschädigten Kanal eingeführt
wird. Der Schlauchliner wird durch Druckluft oder Wasser an die Rohrwand gepresst, sodass er sich exakt an die Innenkontur des alten Rohrs anpasst. Nachdem er korrekt positioniert wurde, beginnt die Aushärtungsphase, bei der das Harz durch Wärme, UV-Licht oder chemische Prozesse ausgehärtet wird. Dadurch entsteht eine stabile, nahtlose
Innenbeschichtung, die Risse, Lecks und strukturelle Schwächen des alten Rohrs zuverlässig abdichtet.
Inliner Verfahren (GFK-Liner - Glasfaserverstärkter Kunststoff)
Das Inliner Verfahren mit GFK-Liner (Glasfaserverstärkter Kunststoff) zählt zu den besonders langlebigen und widerstandsfähigen Methoden der grabenlosen Kanalsanierung. Hierbei wird ein speziell angefertigter, mit Glasfasern verstärkter Kunststoffschlauch in das bestehende Rohrsystem
eingebracht. Durch den Einsatz von Wasserdruck oder Druckluft wird der Liner gegen die Rohrwand gepresst, sodass er sich exakt an die Form des alten Kanals anpasst. Nach dem Aufweiten des Liners beginnt der Aushärtungsprozess, der entweder durch Wärme, Dampf oder UV-Licht unterstützt wird. Der ausgehärtete GFK-Liner bildet eine äußerst
stabile und glatte Innenschicht, die nicht nur den alten Kanal abdichtet, sondern auch seine strukturelle Stabilität erheblich verbessert. Dank der Glasfaserverstärkung bietet der Liner eine besonders hohe Beständigkeit gegenüber chemischen Einflüssen, mechanischer Belastung und Abrieb.
Das Inliner Verfahren eignet sich hervorragend für stark beanspruchte Abwasserleitungen sowie für Kanäle, die großen Belastungen ausgesetzt sind, wie beispielsweise industrielle Abwässer. Zudem ermöglicht die glatte Oberfläche des neuen Liners einen verbesserten Abfluss und reduziert die Bildung
von Ablagerungen, was die Effizienz des Kanals erhöht. Da die neue Innenschicht besonders widerstandsfähig ist, wird die Lebensdauer des sanierten Kanals erheblich verlängert, oft um mehrere Jahrzehnte.
Relining
Das Relining ist eine bewährte Kanalsanierungsmethode, die vor allem in Kanälen und Rohrleitungen eingesetzt wird, die durch Risse, Korrosion oder Undichtigkeiten beeinträchtigt sind. Bei diesem Verfahren werden flexible Folien aus Materialien wie PVC oder PE in das beschädigte Rohr eingebracht. Dieses
Vorgehen basiert oft auf dem sogenannten Rohr im Rohr Prinzip, bei dem eine neue, dünnwandige Innenhülle in die bestehende Leitung eingezogen wird, ohne diese entfernen zu müssen. Die Folie wird entweder durch Aufblasen mit Druckluft oder durch das Einleiten von Wasser gegen die Innenwände des alten Rohrs gedrückt, sodass eine nahtlose, schützende
Innenbeschichtung entsteht. In manchen Fällen erfolgt zusätzlich eine Aushärtung, um die Stabilität und Beständigkeit weiter zu erhöhen.
Die neue Innenhülle schützt den Kanal nicht nur vor weiteren Schäden, sondern verbessert auch die hydraulische Leistungsfähigkeit des Abwassersystems. Dank der glatten Oberfläche wird der Durchfluss optimiert, Ablagerungen treten seltener auf, und die Lebensdauer des Kanals verlängert sich erheblich.
Kurzliner (lokale partielle Sanierung)
Das Kurzliner Verfahren eignet sich insbesondere für kleinere, lokal begrenzte Schäden wie punktuelle Risse, undichte Rohrverbindungen oder Wurzeleinwuchs. Hierbei wird ein kurzer, mit Harz getränkter Glasfaserliner mithilfe eines Packers exakt an die schadhafte Stelle im Rohr gebracht und dort an die
Innenwand gepresst. Nach der Aushärtung entsteht eine robuste Innenverstärkung, die den Kanal zuverlässig abdichtet – ohne dass die komplette Leitung saniert werden muss. Diese Methode ist besonders wirtschaftlich, wenn nur einzelne Defektbereiche vorliegen.
Rohrberstverfahren (Pipe Bursting)
Wenn eine Leitung stark beschädigt oder strukturell instabil ist, kommt das Rohrberstverfahren zum Einsatz. Bei diesem Verfahren wird das alte Rohr kontrolliert aufgebrochen und gleichzeitig eine neue, widerstandsfähige Leitung in den entstandenen Hohlraum eingezogen. Oft kann dabei sogar ein größerer
Rohrdurchmesser realisiert werden. Das Pipe Bursting ermöglicht somit eine vollständige Erneuerung des Kanals — ohne aufwendige Erdarbeiten.
Roboterverfahren
Für punktuelle Reparaturen oder vorbereitende Maßnahmen in Kanälen werden spezielle Sanierungsroboter eingesetzt. Diese können Hindernisse wie Ablagerungen, einragende Stutzen oder Wurzeleinwuchs präzise entfernen. Zusätzlich lassen sich lokale Abdichtungen und Beschichtungen aufbringen. Das Roboterverfahren
eignet sich besonders für schwer zugängliche Abschnitte und wird häufig als Ergänzung zu anderen Sanierungstechniken eingesetzt.